Jahresrückblick
Mit meinem Musikgeschmack bin ich schon eine ganze Zeit lang nicht
mehr "Up To Date". Auch die Überschneidungen
meiner Favoriten und denen der "amtlichen Rockzeitschriften"
werden immer spärlicher: So tauchen zum Beispiel gerade einmal
drei meiner Lieblinge in den Top50 vom Musik Express auf: Belle
& Sebastian (#47 im ME und #9 bei mir), Joanna
Newsom (#29) und Midlake (#16). Etwas besser
sieht es beim Rolling Stone aus: 5 von 25 der dort genannten
Jahresbesten mag ich auch sehr: erneut Joanna Newsom
(#4 im RS), Lloyd Cole (#5), Tracey
Thorn (#11), Richard Thompson (#12 im RS
und # 10 bei mir) und Caitlin Rose (#18).
(13.02.2011)
Ja, warum braucht denn Herr Mann dieses Mal so lange für seine
Kür? Eine gute Frage. Zwei Gründe fallen mir ein: es gab in
2010 zwar viele gute Platten, aber keine, die sichbei mir daraus schnell
zum Favoriten entwickelt hat. Letztendlich war entstand eine Liste von
knapp 20 Platten, aus der ich meine Auswahl getroffen habe. Und ohne
diese neue Tradition der "Platte des Jahres" hätte ich
mich wahrscheinlich garnicht festgelegt. Aber weil ich doch ein wenig
"traditionsbewußt" bin will ich es heute doch tun.
Auffällig ist, daß ich viele meiner Jahresfavoriten live
erleben konnte (The Green Apple Sea,
Laura Veirs, Blitzen Trapper,
Motorpsycho und Christian
Scott, aber auch Tunng, Tindersticks
und John Grant) oder zumindest gerne gesehen
hätte (Silver Mt. Zion bzw.
Godspeed You Black Emperor). Somit ist die Wahl der Platte irgendwie
auch eine der Wahl des Konzerts des Jahres geworden.
(30.01.2011)
Etwas Geduld bitte für meine Wahl der Lieblinge aus 2010. Das wird
noch ein paar Tage dauern ...
(11.01.2011)
Drei Labels haben im Moment mit ihren geschmackvollen Produktionen
meine besondere Aufmerksamkeit: da wäre erst einmal das neue Label
Souterrain Transmissions aus Berlin, das mich auf drei mir bisher
unbekannte amerikanische Künstler bzw. Bands brachte (Laura
Gibson, Ramona Falls und Musée
Méchanique), dazu Bella Union aus England, das Label
der ehemaligen Cocteau Twins-Musiker Robin Guthrie und
Simon Raymonde, das sich in Europa um Künstler wie Laura
Veirs, Midlake, Fionn
Regan und John Grant kümmert, sowie
Constellation aus Montreal, Kanada: Heimat der wunderbaren Band
Silver Mt. Zion und verwandter Künstler
wie Vic Chesnutt und Sando
Perri. Auch die Tindersticks
sind - zumindest für Nordamerika - dort unter Vertrag.
(21.03.2010)
Der achte Januar ist fast immer ein guter Tag: früher, bei den
"Rusty
Nails Mark II", also von Mitte der 80er bis in die 90er, sagte
ich gerne auf Konzerten: der Tag an dem die "drei berühmten
B des Rock'n'Roll" Geburtstag haben: Klaus Baumgart,
David Bowie und Elvis Bresley. Am Freitag, dem 08.01.2010
war morgens das neue Album von Laura Veirs in der
Post und hat mich sofort verzückt. Und am Abend bin ich bei Klaus
...
P.S.: ich feiere übrigenz selber immer zusammmen mit Wolfgang
Nideggen und Norah Jones ...
(08.01.2010)
Die ersten Alben von 2010 lassen natürlich noch auf sich warten. Bereits
für den Januar angekündigt sind unter anderem neue Alben von
Laura Veirs, den Tindersticks,
Motorpsycho und Konstantin Gropper,
AKA Get Well Soon, auf die ich mich schon freue.
Ansonsten immer mal wieder nachschauen unter "FRISCH
AUSGEPACKT" oder in der "GRABBELKISTE".
Vielleicht mag ja auch noch der eine oder andere im Jahresrückblick
2009 herumstöbern?
(01.01.2010)
Das Album des Jahres
| #1: The Green Apple Sea: "Northern Sky - Southern Sky" (K&F, Okt. 2010) |
|
Mein Sieger des Jahres kommt also tatsächlich aus dem Emsland
... |
weitere
Highlights des Jahres (die Top 10)
| #2: Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra: "Kollaps Tradixionales" (Constellation, Feb. 2010) |
|
Die Band war auch an dem gelungenen Comeback-Album "Hot
Wax" von Grant Hart bei der schönen Ballade "Barbara"
beteiligt. Weiterhin haben sie auch den im vergangenen Dezember leider
verstorbenen Vic Chesnutt auf zwei seiner letzten Alben begleitet,
die ich aber noch nicht hören konnte. "At The Cut" von Vic Chesnutt ist gerade
mit der Post gekommen ... und noch besser als erhofft! |
| #3: Blitzen Trapper: "Destroyer Of The Void" (Sub Pop, Juni 2010) |
|
Am Donnerstag war ich nach vielen, vielen Jahren erstmals wieder
im Gleis 22 in Münster, wo Blitzen Trapper einen
großartigen Auftritt hingelegt haben. War der erste Höreindruck
vom Album noch etwas oberflächlich geraten, so kristallisieren
sich jetzt doch einige Lieder heraus, die genauso gut sind wie der
"Black River Killer" vom Vorgängeralbum "Furr"
von 2008. Ausserdeem bekommen sie auch live diesen tollen dreistimmigen
Gesang hin (Sänger & Songschreiber Eric Earley meist
zusammen mit Akustikgitarrist Erik Menteer und Schlagzeuger
Brian Adrian Koch). |
| #4: Laura Veirs: "July Flame" (Bella Union, Jan. 2010) |
|
"July Flame" lauft bei mir rauf und runter.
Mein erstes Album des neuen Jahres ist direkt der erste Kandidat für
das beste Album des Jahres! Letzte Woche war ich mit einer guten Freundin in Köln beim Auftritt
von Laura Veirs mit ihrer neuen Band "The Hall Of Flames",
in der die beiden Songwriter ud Multiinstrumentalisten Eric Anderson
(eigenes Projekt: "Caltaldo") und Nelson Kempf
(Chef der Band "The Old Believers") und die Geigerin
Alex Guy mitwirken. Zuerst gab es wenig überzeugende Solospots
von Kempf und Anderson, aber dann kam Laura auf die Bühne
- und alles wurde gut! Das Mädel ist übrigenz hochschwanger
und lieferte einen wunderbaren Auftritt ab. Aber Schwangerschaft ist
ja auch keine Krankheit. Ich weiss nur nicht, ob ich, wenn ich Tucker
Martine wäre, meine Frau bzw. Freundin alleine auf Europatournee
lassen würde. Aber das geht mich ja nichts an. Ausserdem macht
Laura Veirs den Eindruck, als wenn sie selbst genau weiss, was sie tut:
Sie hatte ihre Band schon ziemlich gut im Griff. Besonders gut gefielen
mir der Titelsong "July Flame" (jetzt weiss ich endlich, wie sie ihren
charakteristischen Sound auf der E-Gitarre hinbekommt!) und der überraschende
Coversong: "Never Going Back" von Fleetwood Mac (vom
Album "Rumours", kennt
jeder) |
| #5: Motorpsycho: "Heavy Metal Fruit" (Stickman, Jan. 2010) |
Beängstigend: auch das zweite Album des Jahres 2010, das den Weg
zu mir findet, ist ein Kandidat für das Album des Jahres! Motorpsycho
gehören schon seit vielen Jahren zu meinen Favoriten - und besonders
dann, wenn sie dem HEAVY-Aspekt ihres Wesens nicht gänzlich nachgeben
und gleichzeitig ihre FOLK- und PSYCHEDELIC-Seite nicht vergessen. Deshalb
ist schon beim ersten Hören des neuen Albums, gerade mal ein halbes
Jahr nach der VINYL-ONLY-Veröffentlichung "Child
Of The Future", klar, dass das neue Werk sogar in der an Highlights
nicht gerade armen Veröffentlichungsliste der Band etwas ganz Besonderes
darstellt. Ich bin erschlagen von der Heftigkeit und gleichzeitig begeistert & berührt von den filigranen Dazumischungen! So braucht der Opener "Starhammer" fast drei Minuten bis zum ersten lauten Ton und bricht nach fast 13 Minuten ohne Ausblenden oder gespieltem Schluss einfach ab. So etwas würde kein "normaler" Rock-Produzent durchgehen lassen. Und unter vier Minuten bleibt nur die wunderschöne Pianoballade "Close Your Eyes". Danach wird es wieder wilder: "W.B.A.T." ist je nach Blickwinkel oder gerade laufender Passage eine entspanntere Variante von John McLaughlins Mahavishnu Orchestra, eine rockigere Version von Robert Fripps King Crimson, eine intelligentere Version von Black Sabbath oder sogar Beatles durch den Gitarrenbooster gejagt. Und am Ende gibt's dann noch bei "Gullible's Travails" 20 Minuten Ohrenkino vom Feinsten. WAHNSINN! Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt, dann vielleicht über den (scheinbar) plumpen Titel der CD oder das Cover in seiner Photoshop-Ästhetik - eben Motorpsycho-Humor. Oder hab ich's nicht richtig verstanden? (17.01.2010) |
| #6: Christian Scott: "Yesterday You Said Tomorrow" (Universal/Concord, Feb. 2010) |
Am vergangenen Dienstag kam ein Anruf von meinem Freund
Frank: er habe zwei Freikarten für ein Jazzkonzert am kommenden Abend
in Kempen mit dem amerikanischen Jazztrompeter Christian Scott.
Weil ich von dem Mann aber bisher noch nie etwas gehört hatte und
ausserdem eigentlich keine Lust, nachts bei Eisesglätte mit meinem
Wagen durch den linken Niederrhein zu heizen, wollte ich eigentlich schon
absagen, aber Frank kann mitunter sehr überzeugend sein. Also waren wir beide am Mittwoch Richtung Kempen unterwegs (ein nettes Städtchen, soweit man das im Dunkeln beurteilen kann!), um dort im Jugendzentrum "Campus" einem grandiosen Auftritt beizuwohnen: gestern noch in Paris und morgen in Berlin legte das Christian Scott Quintet bei uns am beschaulichen Niederrhein einen Zwischenstopp ein und spielte ein dermassen gutes Konzert, dass ich mir am Donnerstag sofort das neue Album bestellen musste, das mir dann auch bereits am Samstag morgen von meinem wie immer gut gelaunten Briefträger überreicht wurde. Beim Konzert hatte Mr. Scott noch schmunzelnd damit kokettiert, dass die BBC sein neues Album zu einem der besten Jazzalben der letzten 50 Jahre erklärt hätte, was natürlich totaler Humbug ist, aber beim Hören beschleicht mich jetzt sogar der Gedanke, dass die BBC vielleicht sogar recht haben könnte. Um Euch noch neugieriger zu machen hier ein kurzes Zitat vom Künstler aus den Liner-Notes: "YYST was designed in subject matter and sound to have the brevity and the character of the recordings of the '60s (the John Coltrane Quartet, Miles Davis 2nd quintet, Bob Dylan, Hendrix, Mingus, etc.), a period when music was in direct relationship to society in view and application.". Wenn ich jetzt das Namedropping noch um Radiohead ergänze ("Eraser", die einzige Fremdkomposition, stammt von Thom Yorke) , dann haben wir (fast) alle Hinweise zum Verständnis dieser Musik zusammen. Erwähnt werden muss ausserdem noch die tolle Band von Platte und Konzert (Pianist Milton Fletcher, Bassist Kris Funn, Gitarrist Matt Stevens und Wahnsinnstrommler Jamire Williams), sowie der legendäre, inzwischen 85 Jahre alte Tonmeister Rudy van Gelder, von dem dieses Album aufgenommen wurde. Schön, dass dieser Mann noch unter uns weilt! Doch genug mit den vielen Querverweisen. Jetzt gilt für alle: selber hören! Wie ernst es Christian Scott mit seiner Verehrung von Bob Dylan ist, kann man übrigenz in dem kleinen Werbefilm erfahren, der auf den Webseiten der einschlägigen Internet-CD-Händler zu sehen ist. (22.02.2010) |
| #7: Ougenweide: "Herzsprung" (bureau b./Große Freiheit, April 2010) |
|
Ich hab gerade mal in "Sol", das erste
Comebackalbum von 1997 reingehört, das im Unterschied zum durchgängig
akustischen "Herzsprung" voll mit Mitte
der 90er wohl moderner Computer- und Digital-Keyboardklänge
ist. Und dann klingt der Gesang mehrerer Damen auch noch so schrecklich
esotherisch wie bei Enya (so weit ich mich mit so etwas überhaupt
auskenne!). Und dann wird auch noch English gesungen! Nicht dass
ich prinzipiell was dagegen hätte - aber bei Ougenweide?
Was sol das? Egal, denn "Herzsprung"
und auch die kürzlich von mir wiederentdeckten frühen
Alben sind einfach nur wunderbar! |
| #8: The Magic Numbers: "The Runaway" (V2/Heavenly Recordings, Juli 2010) |
Das Bruder/Schwester-Doppel mit dem von mir lange erwarteten Nachfolger
zum immerhin auch schon wieder fast vier Jahre alten Vorgänger
"Those The Brokes".
Gereifter Edelpop ohne jeglichen Stadionrockverdacht. Eine kleine,
schöne und gleichzeitig traurige Nebensache: die wunderbaren
Streicherarrangement stammen von niemand geringerem als Robert
Kirby (Nick Drake-Fans
heben jetzt kurz wissend und geniessend die Augenbraue!), der leider
vor kurzem verstorben ist.Übrigenz wird die Band immer wieder mit den Mamas & Papas verglichen. Zwar habe ich nichts gegen dieses Gesangtruppe, ganz im Gegenteil, aber der Vergleich hinkt, denn musikalisch gibt es wenig Gemeinsamkeiten. Was mir stattdessen eher in den Sinn kommt: Fleetwood Mac zu Zeiten von Rumours! Bei "Throwing My Heart Away" muss ich immer an Stevie Nicks denken (etwa "Dreams" oder "Rhiannon"). Und das soll natürlich ein Lob sein. Als Bonus enthält das Vinyl-Doppelalbum eine 7"-Single mit dem puren Streicherarrangement von Robert Kirby zur ersten Single "The Pulse": auch das funktioniert schon ganz wunderbar für sich alleine. (04.08.2010) |
| #9: Belle & Sebastian: "Write About Love" (Rough Trade, Okt. 2010) |
... und noch eine Band, die ich in den letzten Jahren irgendwie aus
den Augen verloren hatte. Die Schotten sind mit ihrem Gitarrenpop
nun auch schon etwa 15 Jahre im Geschäft und haben möglicherweise
gerade eines ihrer besten Alben abgeliefert!(24.12.2010) |
| #10: Richard Thompson: "Dream Attic" (Proper, Sept. 2010) |
Wäre Rock'n'Roll olympisch und gäbe es dort einen Triathlon
für Gesang, Komposition und Gitarre, so könnte es nur einen
Goldmedalliengewinner geben: natürlich Richard Thompson, Ex-Fairport
Convention und britischster aller Exil-Briten in den US of A.
In der Einzeldisziplin "Gitarre" wäre
er sogar in meiner engeren Wahl für Gold undauch bei "Komposition"
käme er garantiert in den Endkampf. Als "Sänger"
finde ich ihn zwar auch sehr gut, aber für's Treppchen fallen
mir da ein paar andere ein, die meisten Tim oder Nick
mit Vornamen heißen.Noch mehr Positives zum neuen Album gefällig? Zum einen ist das Cover zur Abwechselung mal NICHT HÄSSLICH. Da hat uns Mr. Thompson in der Vergangenheit doch schon so Einiges zugemutet (siehe dazu weitere Beispiele unter "Ugly Cover"). Zum anderen handelt es sich um ein Livealbum mit ausschlieslich neuen Liedern. Den Mut zu sowas hatte nach meiner löchrigen Erinnerung bislang nur Neil Young bei "Time Fades Away". Dem gegenüber würde ich "Dream Attic" sogar noch deutlich höher einschätzen. Und wenn ich unbedingt noch ein Haar in der Suppe finden muss: auf den am Ende jedes Liedes zu hörenden und immer vor dem nächsten Lied wieder ausgeblendeten Publikumsapplaus hätte ich ganz verzichtet oder zum Eindruck eines kompakten Einzelkonzerts verdichtet. Aber was weiß ich den schon ... (13.09.2010/15.01.2010) |
der gute Rest ...
| "Dan Berglund's Tonbruket" (Act, Jan. 2010) |
Der schwedische Bassist Dan Berglund spielte bisher im Esbjörn
Svensson Trio, einem der weltbesten Jazz-Piano-Trios der letzten Jahre,
obwohl "E.S.T.", wie die Truppe auch kurz & knapp
genannt wurde, eigentlich nie pur Jazz, sondern immer auch ein wenig "Rock"
und alles mögliche andere war. Nach dem Unfalltod des Pianisten Esbjörn
Svensson und somit dem zwangsläufigen Ende des Trios vor wenigen
Jahren präsentiert Berglund hier seine neues Quartett, das noch weniger
"pur Jazz" ist als die alte Band. Bei den ersten Tönen
des Gitarristen Johan Lindström auf seiner Lapsteel bei der
Eröffnungsnummer "Sister Sad" fühlt man sich eher
an die Eröfnungssequenz von Pink Floyds "Wish
You Were Here" erinnert: auch David Gilmour setzte gerne
dieses sonst eher im Country angesiedelte Instrument ein. Zwar versuchen
die Musiker von Tonbruket gar nicht erst, die musikalische Lücke
von E.S.T. zu schließen (höchstens die "kommerzielle
Lücke", denn auch Tonbruket veröffentlicht beim deutschen
Jazzlabel Act!), aber ein besonderes Augenmerk liegt sicherlich
auf dem Mann, der hier auf dem Klavierhocker in ziemlich großen
Fußstapfen sitzt: es handelt sich um den offensichtlich sehr gut
beschäftigten Martin Hederos, der ja schließlich auch
die Tasten bei den Rockern von The Soundtrack
Of Our Lives bedient und unter dem Namen Hederos & Hellberg
ein gefragtes Klavier/Gesangs-Duo hat bzw. hatte. Ist das hier jetzt also "Jazz"? Oder "Rock"? Kein Ahnung - aber auf jeden Fall gute Musik- und auf gar keinen Fall das, was man im Allgemeinen als "Jazzrock" bezeichnet oder als "Progrock"!"Und das ist gut so!", wie unser Wowi aus Bärlin so schön sagt. (07.02.2010) |
| Get Well Soon: "Vexations" (City Slang, Jan. 2010) |
|
Am Samstag war die Band in Haldern zu Gast. Und weil auch Musée
Méchanique dort eigentlich spielen sollten bin ich natürlich
hingefahren. Aber leider bin ich auch nach dem guten Auftritt der Band
immer noch nicht viel schlauer, ob ich die Platte jetzt gut finde ohne
nicht. Eigentlich stimmen alle Zutaten, aber irgend etwas fehlt ...
vermutlich sind es doch die ein wenig zu melancholischen Lieder mit
den ein wenig zu traurigen Melodien, die mir nicht wirklich gefallen,
aber man kann es auch ganz schlicht so sagen: zu viel Klassik, zu wenig
Rock'n'Roll - aber das trifft es auch irgendwie nicht ganz. |
| Musée Mécanique: "Hold This Ghost" (Souterrain Transmissions, Jan. 2010/2008) |
Die Entdeckungsreise nach Portland geht auch mit dieser Veröffentlichung
aus dem Hause Souterrain Transmissions weiter. Vergleiche in der
Presse bemühen gerne den Einsatz der vielen mehr oder weniger exotischen
oder "historischen" Instrumente- von der singenden Säge
bis zum Uraltanalogsynthie. Aber eigentlich handelt es sich bei Musée
Mécanique doch auch nur um zwei singende und songschreibende
Burschen mit ihren Gitarren, deren Musik für meinen Geschmack gut
zu Leuten wie J. Tillman und William
Fitzsimmons passt, auch wenn Micah Rabwin und Sean Ogilvie
ihr musikalisches Grundgerüst aus Gesang und Gitarren lieber mit
mechanischen und nicht mit digitalen Zutaten vom Laptop anreichern. Beide
begleiten übrigenz nebenher sowohl live als auch im Studio des Öfteren
Labelkollegin Laura Gibson. Alleine
dafür muss man sie mögen. Natürlich ist gibt's auch bei dieser fünften LP des Labels die MP3s gratis dabei. Vielleicht ist es auch erst die dritte Veröffentlichung, denn sie trägt zwar die Nummer SOU005LP, mir sind aber nur die beiden anderen Alben von Laura Gibson (SOU001LP) und Ramona Falls (SOU002LP) bekannt. Es heisst also: weiter aufmerksam sein. (12.02.2010) |
| Tindersticks: "Falling Down A Mountain" (4AD, Jan. 2010) |
Stuart Staples mit seiner wunderbaren Band Tindersticks
jetzt auf dem 4AD-Label - das macht natürlich Sinn! Was soll
man zu dieser Band noch viel sagen, die seit den früher 90ern ein
paar grosse Alben (vor allem die titellosen ersten beiden von 1993
bzw. 1995) und viele mittelprächtige
gemacht, auch wenn ich als Hörer nicht immer am Ball war? "Falling
Down The Mountain" hat mich nun neben den - wie immer - guten Kritiken
aus folgenden Gründen zum zeitnahen Erwerb bewogen: die göttliche
Mary Margaret O'Hara hat beim
witzigen (!) "Peanuts" einen ihren leider äußerst
seltenen Gesangsaufritte im Duett mit Staples. Zum Kauf der CD hätte
das zwar alleine schon gereicht, aber als ich mir sicher war, dass bei
der Vinylausgabe ein Downloadgutschein dabeisein würde, war die Sache
natürlich geritzt!Ist das Album jetzt so gut wie die grandiosen ersten beiden? Ich habe keine Ahnung nach dem ersten Hören - auf jeden ist es noch besser als das schon ziemlich gute Comebackalbum "The Hungry Saw" von 2008! Ach ja - der irische Singer/Songwriter David Kitt gehört jetzt als Gitarrist und zweite Gesangstimme fest zur Band. (28.02.2010) |
| Johnny Cash: "American VI: Ain't No Grave" (American, Feb. 2010) |
Posthum
veröffentlichten Alben haftet oft ein fader Beigeschmack an:
von der zarten Frage "Hätte der Künstler zu Lebzeiten
die Veröffentlichung dieser Musik gewollt?" bis hin
zu Sprüchen wie "Resteverwertung" oder
gar "Leichenfledderei". Auf die sechste Folge
von Johnny Cashs American Recordings trifft das aber
definitiv nicht zu. Es wäre sogar sehr schade, wenn uns Rick
Rubin diese definitiv allerletzten (?) Aufnahmen eines der wichtigsten
Sängers des letzten Jahrhunderts weiter vorenthalten hätte.
Unpeinlich. Ergreifend. Wunderschön. Selbst das abschliessende
"Oloha Ohe" kann nicht wirklich schocken.(01.04.2010) |
| Midlake: "The Courage Of Others" (Bella Union, Feb. 2010) |
|
Ich habe "The Trials Of Van Occupanther"
von 2006 wie versprochen noch einmal herausgekramt und kann jetzt alle
beruhigen: ebenfalls ein tolles Album! |
| Allison Moorer: "Crows" (Rykodiscs, Feb. 2010) |
Auch Shelby Lynne's kleine Schwester
ist inzwischen eine der ganzen großen in der Singer/Songwriter-Zunft.
Für dieses Album ist sie wieder zurückgekehrt aus New York nach
Nashville und hat sich statt von ihrem Ehemann Steve Earle wieder
von ihrem alten Weggefährten und Trommler R.S. Field produzieren
lassen, der diesen Job bereits auf dem 2004er-Alben "The
Duel" und der Konzert-DVD "Show"
gut machte.Der Mann vom Glitterhaus hält "Crows" sogar für "das bessere Shelby-Album", aber so weit möchte ich mich nicht aus dem Fenster hängen. Das ist aber auch egal, denn beide Ladies spielen in der ersten Liga und Vergleiche sind deshalb überflüssig und unnötig. (26.02.2010) |
| Joanna Newsom: "Have One On Me" (Drag City, Feb. 2010) |
|
3 x 6 Lieder, 3 x 40 Minuten Musik: die müssen erst einmal verdaut werden. (11.03.2010) So - die über 120 Minuten Harfenmusik sind durchgehört. Aber
was soll ich jetzt sagen? Ein Meisterwerk? Keine Ahnung. Eher nicht.
Vor allem nicht nur deshalb meisterlich, weil es ein Drillingsalbum
ist. Man sollte mit diesem Etikett auch etwas sparsamer umgehen. Ein
bisschen zu lang geraten? ja, natürlich! Hätte frau etwas
weglassen können oder dürfen? Auf keinen Fall! Ein zwar schwer
verdaulicher, aber dennoch leckerer Brocken (eigentlich ja drei Brocken!),
von dem man und frau als Hörer noch lange etwas hat! Als Dreifach-Studioalbum fällt mir übrigenz noch "Sandinista"
von The Clash ein, das mir aber im Moment noch zu viel des Guten
ist. Auf jeden Fall weiß ich inzwischen deren Doppelalbum "London
Calling" zu schätzen. |
| Kathryn Williams: "The Quickening" (One Little Indian/Caw, Feb. 2010) |
Eine
neue Platte der englischen Folksängerin - immer gerne gehört.
"The Quickening" wurde im letzten Jahr in wenigen Tagen
live im Studio von einer vorzüglichen Band eingespielt: wieder
mit Neill MacColl, ihrem Duettpartner vom Album "Two",
aber auch mit dem mir bislang unbekannten Studiogitarristen Leo
Abrahams und dem vorzüglichen Vibraphonspieler Anthony
Kerr (die Atmosphäre ist also ein klein wenig wie bei Tim
Buckley!). Produziert von Kate St. John, einer der bekanntesten
Oboenspielerinnen Englands, die aber auch schon mal bei Van
Morrison zum Saxofon greift und hier für Klavier und Akkordeon
zuständig ist.Trotz des "Live-charakters" scheint das hier Kathryns bisher aufwändigste Produktion zu sein (ich kenne leider nicht aller ihre Platten!), was dem intimen Charakter ihrer Musik aber überhaupt nicht schadet. Vor allem der Gesang bezaubert wie immer. (07.05.2010) |
| Jack Gilbert: "Till We Have Faces" (Churchhill, März 2010) |
|
"Ciao Michael, Ich habe mich natürlich sehr gefreut, denn ich bekomme selten
solche Geschenke, aber wie der Mensch so ist: sofort kommen die
dämlichsten Hintergedanken: was will der von mir? Niemand ist
einfach nur selbstlos nett! Macht Jack hier schnöde Promotionarbeit?
|
| Bonnie 'Prince' Billy & The Cairo Gang: "The Wonder Show Of The World" (Domino/Drag City, März 2010) |
Will Oldham ist unglaublich produktiv. Jedes Jahr erscheinen
mehrere Alben - eigentlich zu viele für mich, sodass ich inzwischen
den Überblick verloren habe. Bei der "Wonder Show"
habe ich mich aber wieder mal zur Anschaffung entschlossen und bin
jetzt sehr angetan von der Musik. Hier stimmt alles: gute Songs (mit
Texten von Will Oldham und Musik anscheinend komponiert von
seinem Begleiter Emmett Kelly), gute instrumentale Umsetzung
(schlichte Arrangements mit viel A- und ein wenig E-Gitarre von
Kelly, dazu Bass und Perkussion von Azita Youssefi), stark
verbesserter Gesang (Oldham singt um Klassen besser als noch zu Zeiten
der Palace Brothers, obwohl ich
auch das damals durchaus gemocht habe). Die LP hat zwar keinen MP3-Coupon,
kommt mit einer 7"-Single daher: auch eine schöne Überraschung!(11.04.2010) |
| Graham Parker: "Imaginary Television" (Bloodshot, März 2010) |
Alte
Männer in Höchstform, die einen Scheiß auf das aktuelle
Poptreiben geben. Mag ich sehr, so was. Ok - das Cover ist vielleicht
ein Kandidat für meine Galerie der Scheußlichkeiten ("Ugly
Cover"), aber die Musik ist - eigentlich wie immer in den
letzten Jahren bei Mr. Parker - richtig gut. Abgehangen, unspektakulär,
aber eben auch sehr gut. Demnächst vielleicht noch ein paar tiefere
Eindrücke vom Album.(04.05.2010) |
| Angus & Julia Stone: "Down The Way" (Capitol, März 2010) |
Vor etwa drei Jahren erschien "A Book
Like This", das wunderbare Debütalbum des australischen
Geschwisterpärchens. Auf den Nachfolger musste man jetzt fast
drei Jahre warten, aber es hat sich gelohnt. Unspektakulärer,
aber wunderschöner Folkrock, durchaus ähnlich dem der Magic
Numbers (da sind ja auch Geschwister am Werk!), wenn auch mit
etwas weniger Rock. Die Vinylausgabe ist zwar ohne Downloadgutschein, aber mit drei weiteren Liedern: also ergibt das ein richtig prächtiges Doppelalbum ... (01.11.2010) |
| Tunng: "... And Then We Saw Land" (Full Time Hobby, März 2010) |
|
Mir ist gerade aufgefallen, dass mir die Band doch schon einmal
untergekommen ist: und zwar auf dem wunderbaren Tributalbum "Dream
Brothers: The Songs Of Tim + Jeff Buckley", erschienen
2005 ebenfalls bei Full Time Hobby. Ich hatte auch irgendwie
so eine Ahnung, dass ich sowohl von Band als auch von Label schon
mal gehört hatte. Nebenbei bemerkt: ein toller Name für
ein Indielabel! |
| Susan Cowsill: "Lighthouse" (Blue Rose, April 2010) |
|
Schluß mit diesem Gesellschaftstratsch und zurück zur
Musik, die sicherlich nicht sonderlich innovativ oder spektakulär
ist, aber doch eine gelungene Version von etwas ist, das man vor
wenigen Jahren noch ungestraft "Americana" nennen durfte.
"Lighthouse" kann man weitestgehend als Bandalbum bezeichnen,
denn auf den meisten Titeln sind die gleichen, mir zwar unbekannten
Musiker zu hören, die höchstwahrscheinlich zur Liveband
gehören. Einen Gastauftritt hat Jackson Browne als Duettpartner,
bei einem Lied sind drei Cowsill-Brüder und Schwägerin
Vikki im Chor zu hören. Einen weiteren schönen Nebeneffekt
hat das Album auch noch: ich hatte die wunderbaren Continental
Drifters fast vergessen und muss da unbedingt mal wieder in
die alten Platten reinhören! |
| Dirtmusic: "BKO" (Glitterhouse, April 2010) |
Chris
Eckman (Walkabouts, Chris
& Carla), Hugo Race (The Wreckery, Nick
Cave) und Chris Brokaw (Come,
Saint Vitus) waren im Januar des letzten Jahres zusammen mit der Turareg-Band
Tamikrest im Studio in Bamako/Mali. Das Ergebnis gibt es jetzt
als Vinyl-Doppelalbum mit CD und DVD. Da kann man ruhig mal ein paar
Oiro mehr ausgeben - und wird natürlich nicht enttäuscht!(07.05.2010) |
| John Grant: "Queen Of Denmark" (Bella Union, April 2010) |
|
Das Studio 672 ist eigentlich ein kleiner Keller unter dem
Kölner Stadtgarten, der mich entfernt an den Messdiener-Partykeller
unter der St. Elizabeth-Kirche in Friedrichsfeld erinnert, in dem
ich 1976 mit Pakgao Rog meinen ersten öffentlichen Auftritt
ausserhalb unserer Schule hatte. Um 20:30, zum offiziellen Beginn,
saß ich dort mit etwa 5 bis 8 Leuten, währen oben im
Stadgarten der Bär steppte beim WM-Spiel der Brasilianer gegen
die Aliens aus Nordkorea. Es war das Schlimmste zu befürchten
für das Konzert, aber nach der Vorgruppe, einem deutschen Duo,
dessen Namen ich nicht erfuhr, da die beiden zwar schön spielten,
sich aber nicht vorgestellt haben, waren zum Beginn der Auftritts
von John Grant um 21:30 doch noch ca. 50 bis 80 Leute da, wofür
sich John in perfektem Deutsch bedankte, das er vor 15 Jahren als
Student in unserem ziemlich schönen Land gelernt hatte. Das
Konzert? Toll! Es kam deutlich heraus, das das neue Album voller
Hits steckt und schleunigst auf meinen Merkzettel für das Album
des Jahres gehört. Ausserdem hat sich bestätigt, dass
er einer der aktuell besten Gesangstimmen in der Sparte "Alternative-Singer-Songwriter"
hat bzw. ist. |
| Great Lake Swimmers: ""The Legion Sessions" (Nettwerk, April 2010) |
Sinn & Zweck dieses Albums sind mir zwar nicht so ganz klar, denn
in knapp über 30 Minuten wurden für diese äußerst
günstigen EP 9 Lieder vom letztjährigen Album "Lost
Channels" live und akustisch im Studio neu eingespielt.
"Unplugged" kann man aber auch nicht sagen, denn
der Stecker war bei dieser kanadischen Band um den Singer/Songwriter
Tom Dekker ja nie wirklich eingestöpselt. Wegen des kleinen
Preises (unter 7 Oiros!) soll das jetzt auch mal nicht weiter hinterfragt
werden. Vielleicht gibt es ja ein Video von der Session? Die auf dem
Cover zu erkennende Location macht da irgendwie neugierig.(27.06.2010) |
| Sharon Jones & The Dap-Kings: "I Learned The Hard Way" (Daptone, April 2010) |
Sharon und ihre Junx spielen Soul. Diese Musik ist gleichzeitig sehr
altmodisch und sehr modern. Sagen wir also besser: zeitlos & gut.
Und überhaupt nicht "retro".Wichtig für den Vinylfreund: die Schallplatte ist nicht teurer als die CD (ansonsten ist das inzwischen ja schon der Standard!) und kommt sogar mit MP3-Download-Gutschein daher. Yeah! (15.04.2010) |
| Shelby Lynne: "Tears, Lies, And Alibis" (Everso, April 2010) |
|
Eine Erkenntnis ist deutlich: "Tears, Lies, And Alibis"
ist keine Autofahrmusik. Aber zu hause in Ruhe gehört wirkt
das Album jetzt schon deutlich besser. Zwar konnte ich immer noch
keinen wirklichen Ohrwurm unter den Liedern entdecken, aber die
Ratlosigkeit hat sich mehr oder weniger in Wohlklang aufgelöst.
Also schau'n wir mal: vielleicht ist es ja auch so ein "Spätentwickler"? |
| Temple Of L.I.B.: "My Name Is Magic" (September Gurls, April 2010) |
Manchmal hat das Entdecken einer einzelnen Platte bei mir einen großen
Einfluss auf den weiteren musikalischen "Entdecker"-Weg.
Das war zum Beispiel so, als ich 1973 Hawkwind über das
famose Livealbum "Space
Ritual" kennenlernte oder ich damals von meinen Kumpels "To
Our Children's Children's Children" (Moody Blues)
zum Geburtstag bekam. So geschah es auch Anfang diesen Jahres, als
ich mich für Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra zu
interessieren begann, eigentlich ja nur weil deren Album "Kollaps
Tradixionales" als 10"-Zoll-Doppelvinyl mit Bonus-CD
herauskam. Auch die Anschaffung der LP "The
Serpent Unrolled" des fränkischen Folkduos Fit &
Limo gehört in diese Kategorie, obwohl ich Limo ja
schon lange als Sänger und Gitarrist der
Shiny Gnomes kannte. Von Fit & Limo bin ich Dank des Internets schnell auf St. Stephen gekommen, Limos Projekt vom vergangenen Jahr. Wie es der Zufall (?) so will, hat er gerade ein neues Werk unter dem Pseudonym "Temple Of L.I.B." (was auch immer das heißen mag!) veröffentlich, das nicht nur wieder beim Nürnberger Psychedelic-Label September Gurls herauskam, sondern musikalisch stark an die Fit & Limo-Alben erinnert: Hippiefolk mit viel A- und ein wenig E-Gitarre, Bongos, Sitar, etc. - nur eben ohne Mrs Fit. (20.06.2010) |
| Horse Feathers: "Thistled Spring" (Kill Rock Stars, Mai 2010) |
...
und noch mehr von diesem "nervendem Folkrockzeug" für
"sensible Weicheier" wie mich! Hinter den Horse Feathers
steckt der Singer/Songwriter/Gitarrist Justin Ringle, der sich
von einem Geiger, einer Cellistin und einem Banjospieler begleiten
lässt. Sicherlich etwas streicherlastiger als andere Platten
aus diesem Genre, aber eben auch wunderschön. Das Vinyl gab es
mit einem MP3-Gutschein. Da bin ich dann ja schnell dabei, wie ihr
sicherlich schon wisst!(25.10.2010) |
| Juta: "Running Through Hoops" (Arctic Rodeo Recordings, Mai 2010) |
Und noch einmal Kanada! Die Sängerin Barbara Adly wird
von einer italienischen Band um den Gitarristen Pierluigi Aielli
begleitet. Allerdings wurde in Kanada aufgenommen bei Howard Bilerman.
Singer/Songwriter-Folkpop mit analogem Feinklang. Sehr schön
auch, dass es die Vinylausgabe, inklusive CD, zu einem überschaubarem
Preis gab. Das hat sich wirklich gelohnt.(11.01.2010) |
| Jim Lauderdale: "Patchwork River" (Thirty Tigers, Mai 2010) |
Nach "Headed For The Hills"
(2004) ist dies hier bereits die zweite Kooperation mit Grateful
Dead-Texter Robert Hunter über Albumlänge. Die
Kombination Indianer & Telecaster
auf dem Cover hatten wir ansonsten schon mal bei Eddie
Clearwater.Die Musik? Wieder etwas mehr "Rock" und weniger "Honky Tonk", was mir (momentan) eher entgegenkommt. Die Band ist (wie immer bei Jim Lauderdale) vom Feinsten: u.a. sind Trommler Chad Cromwell (Neil Young), Telecastergott James Burton (Elvis P., Elvis C., Gram & Emmylou), Steelgitarrist Al Perkins (Manassas, Emmylou), Trommler Ron Tutt (Elvis P., Elvis C., Jerry Garcia, Emmylou), Bassist Gary Tallent (Bruce Springsteen) und Sängerin/Songschreiberin Patti Griffin dabei. Gute Zutaten und gute Zubereitung garantieren hie eine äußerst schmackhafte Mahlzeit! (31.07.2010) |
| Tift Merritt: "See You On The Moon" (Universal/Fantasy, Mai 2010) |
Schon seit einigen Jahren bringt Tift Merritt mehr oder weniger
regelmäßig gute Alben heraus. Das Debüt "Bramble
Rose" von 2002 fand ich besonders schön, danach hatte
ich sie ein wenig aus den Augen verloren. Jetzt haben mich zwei Dinge
zurückgebracht: zum einen das schlichte und doch so wunderschöne
Cover. Zum anderen der Name des Produzenten, Tucker Martine,
der auf diesen Seiten für seine Arbeiten mit Laura
Veirs, Laura Gibson, Tara
Jane O´Neil, Ramona Falls
und Musée Méchanique ja schon mehrfach
gewürdigt wurde. Aus der - nicht unbedingt offensichtlichen -
Kombination der Talente von Tucker und Tift entstand vielleicht das
beste Album von Tift Merritt. Auf jeden Fall das beste seit dem Debüt
"Bramble Rose".(27.06.2010) |
| Nada Surf: "If I Had A Hi-Fi" (Mardev, Mai 2010) |
NadaSurf ist ein Gitarrentrio aus New York, da man irgendwo
zwischen Indie-Rock und Pop einordnen kann, wenn man denn so möchte.
Kennengelernt hatte ich die Band vor einigen Jahren beim Halderner
Open Air und ein paar Jahre später auch das schöne Album
"Let´s Go"
in der Grabbelkiste gefunden. Danach habe ich sie aber wieder aus
den Augen & Ohren verloren, bis ich jetzt trotz mittelmäßiger
Kritiken in einer Musikzeitschrift über "If I had A Hi-F-"
gestolpert bin, ein Album nur mit Coversongs. Da ich das letztjährige
Coveralbum der Lemonheads aber eher langweilig fand wollte
ich eigentlich schon weiterblättern, wenn mich da nicht zwei
Lieder doch noch zum Kauf überredet hätten: "Love Goes
On" stammt vom 1988er Album "16
Lovers Lane" der Go-Betweens, die zu meinen allergrößten
Lieblingen gehören und (noch) viel zu selten durch eine Coverversion
gewürdigt werden. Dazu "Question" vom 1970er-Album
"A Question Of Balance"
der Moody Blues, die sicherlich als Band aus heutiger Sicht
nicht besonders cool rüberkommen, damals aber zu meinen absoluten
Favoriten gehörten. Ausserdem ist "Question" ein wirklich
tolles Lied, das von Nada Surf keineswegs verhunzt wird, wie
der Kritiker von motor.de behauptet. Auch die Lieder von Bands
oder Künstlern, die mich gar nicht oder wenig interessieren sind
gut (z.B. Depeche Mode und Kate Bush), dazu kommen ein
paar Vorlagen, von denen ich noch nie was gehört hatte. Insgesamt
ein schönes, wenn auch eher unbedeutendes Album, das aber auch
überhaupt nicht so tut, als wäre es etwas anderes. Musik
von Fans für Fans, was ja auch das Motto bei Waiting
For Louise war und bei Songs To The Siren immer noch ist.(10.06.2010) |
| Tracey Thorn: "Love And Its Opposite" (Strange Feeling, Mai 2010) |
Britische Pop-Duos aus den 80ern, die mir WIRKLICH gefallen? Da fällt
mir ausser Everything But The Girl
nicht viel ein (OK - bei längerem Nachdenken fallen mir noch
die weit weniger erfolgreichen Eyeless In Gaza und die Cleaners
From Venus ein). Gekauft hatte ich mir das dritte Album der ehemaligen
Sängerin von EBTG vor ein paar
Wochen auf Vinyl in erster Linie wegen des wunderschönen Klappcovers:
ich dachte schon, so etwas gibt's gar nicht mehr! Heute wollte ich
die Platte endlich auflegen, als mir auch hier ganz beim Auspacken
ein MP3-Download-Gutschein entgegenflatterte. Eine nette Überraschung
am Sonntagmorgen.Bei "Love And Its Opposite" handelt es sich um eine gelungen Mischung aus akustisch-analog-elektrischem Singer/Songwriter-Pop mit gelegentlichen modernen Einsprengseln, aber alles ohne das in den 80ern bei EBTG noch vorhandene (und erfolgreichen!) Schielen auf die Popcharts. Die beiden Plattenlabels von Tracey Thorn und Ex-EBTG-Partner und jetzt Ehemann Ben Watt heissen Strange Feeling und Buzzin' Fly. Da sind offensichtlich Tim Buckley-Fans am Werke. (28.11.2010) |
| Crowded House: "Intriguer" (Universal, Juni 2010) |
Crowded House gehören zu den wenigen "Altstars", deren
neue Alben ich mir auch im Hier & Jetzt noch ungehört kaufen
würde - und es auch diesesmal wieder getan habe. Wie immer wurde
ich nicht enttäuscht.Der erste Höreindruck: eine gute, altmodisch analoge Produktion mit einem perfekten Klang, der mir sofort gefällt. "Hits" sind nicht sofort zu erkennen, aber ich bin sicher, dass das Alben bei jedem Hördurchgang "wachsen" wird. Deshalb später vielleicht mehr ... (05.07.2010) |
| GuruManiAx: "Psy Valley Hill" (bureau b., Juni 2010) |
|
Vielleicht doch noch eine klitzekleine kritische Bemerkung: Während
die Musik von GuruManiAx auf höchstem Niveau ist, fallen
künstlerische Qualität der Covergestaltung zusammen mit
dem Titel der CD deutlich ab. Was bedeutet "Psy Valley
Hill" - ausser dass einer der instrumentalen Songs
bereits so heisst? Fängt sich hier eine neue Tradition an:
"geniale Musiker schlampen bei der optischen und textlichen
Präsentation ihrer Werke". Schliesslich heisst
das letzte Guru Guru-Album von 2008 ja auch schon "Psy"
und hat ebenfalls kein besonders schönes Cover. Da lobe ich
mir doch im Moment die Arbeiten von Stefan Lienemann und
seinen zahlreichen Projekten (Shiny
Gnomes, Fit & Limo, Temple
Of L.I.B., St. Stephen) oder alle Veröffentlichungen
vom kanadischen Constellation, wo Verpackung
und Inhalt auf allerhöchstem Niveau sind. |
| Hawkwind: "Blood Of The Earth" (Eastworld, Juni 2010) |
|
Einziges Urmitglied der Band ist natürlich der Gitarrist Dave Brock, dem aber Schlagzeuger Richard Chadwick immerhin schon ca. 20 Jahre zur Seite steht (mindestens seit dem 1990er Album "Space Bandits"). Keyboarder Tim Blake war immer mal wieder in der Band und wieder weg, während am Bass ein gewisser Mr. Dibs neu dabei ist. Seit längerem gibt es mit Niall Hone sogar einen zweiten Gitarrenspieler neben bzw. vor Captain Brock. Da Hawkwind in den letzten Jahren oft als Trio zu hören waren, bei dem gelegentliche Keyboardeinlagen von allen Beteiligten kamen und Captain Brock sich selber nur selten mit einem Gitarrensolo hervorgetan hatte, läßt sich also über den neuen Hawkwindsound sagen: im Prinzip so wie immer (das ist gut so!), aber mit etwas mehr Gitarre und ausgereiften Keyboardklängen (auch kein Nachteil!). Trotz aller Kritik ist das kein schlechtes Album, denn welche Band
kann schon von sich sagen, nach 40 Jahren im Geschäft immer
noch kreativ zu sein? Ist das Album so gut wie die Klassiker? Sicherlich
nicht - aber das war eigentlich auch nicht zu erwarten. Ist es das
beste Album seit X Jahren? Das kann ich leider nicht
beurteilen, weil ich mich im Spätwerk der Band
nicht so gut auskenne wie im Frühwerk - aber
eigentlich ist mir das auch ziemlich egal. |
| Teenage Fanclub: "Shadows" (PeMa, Juni 2010) |
Diese schottische Gitarrenband gibt es schon über 20 Jahre -
eine gefühlte Ewigkeit. Mit "Bandwagoneque"
von 1992 standen sie zu Grungezeiten mal vor dem großen Durchbruch,
der aber nie erfolgte. Nach Zeiten bei großen Plattenfirmen
(Geffen in den USA und Sony in Europa) kochen sie inzwischen auf eigenem
Minilabel ihr eigenes kleines Süppchen. Meine letzte Anschaffung
war "Songs From Northern Britain" von 1997, danach hatte
ich die Band aus den Augen verloren. Warum ich mir jetzt das neue Album gekauft habe, das weiss ich auch nicht so genau: ich hielt im Laden die Platte in der Hand und konnte sie noch nicht mal anhören, weil die CD-Version gerade nicht vorrätig war und Platten nicht angespielt werden. Und obwohl das Cover nicht besonders schön ist hatte ich trotzdem ein gutes Gefühl und habe die Vinylausgabe schliesslich ungehört eingepackt. Gerade lief die Platte zu Hause bei mir und ich bin mit meiner spontanen Entscheidung doch sehr zufrieden! (27.06.2010) |
| "Be Yourself - A Tribute To Graham Nash" (Grass Roots, Juni 2010) |
Ich liebe Tribute-Sampler - zumindest meistens und vor
allem dann, wenn die richtigen Songschreiber von den
richtigen Leuten gecovert werden. Leider hat es da in
den letzten Jahren eine gewisse Inflation mit einem spürbaren
Qualitätsverlust gegeben, bzw. starkem Gefälle zwischen
meisterlicher Vorlage und dazu stark abfallender Neuinterpretation.
Ganz zu schweigen von diesen "Pink Floyd Shows" und Genesis-Tribute-Spektakeln,
die ganze Alben dieser Bands originalgetreu auf die Bühne bringen.
Wenn aber nicht nur das Werk eines Künslers geehrt wird, sondern ganze Alben komplett neu interpretiert werden, dann lohnt es sich meistens, doch etwas genauer hinzuhören. Auf "Be Yourself" covert die alternative Musikelite der USA und dem Grenzbereich Folk/Indierock (ich sag nur: Bonnie "Prince" Billy, Robin Pecknold (Fleet Foxes), Alela Diane, Vetiver, Brendan Benson von den Raconteurs, Greg Weeks von den Espers und andere) Lied für Lied das Debüt "Songs For Beginners" von Graham Nash aus dem Jahre 1971. Jetzt könnte manch einer sagen: "Graham Nash? Das ist doch der Uncoole von CSN&Y!" Das mag ja vielleicht auch noch stimmen, aber "Songs For Beginners" ist ein wirklich tolles Album (was mir gottseidank schon vor ein paar Jahren aufgefallen ist!) - und "Be Yourself" ist ebenfalls eine wunderbare Angelegenheit: alle Beteiligten liefern gute Arbeit ab, keine einzige Interpretation fällt durch, kein einziger Durchhänger. Ganz klar eines der besten Alben aus der Sonderkategorie "Wenn ganze Alben gecovert werden"! (03.08.2010) |
| I Am Kloot: "Sky At Night" (Play It Again Sam/Shepherd Moon, Juli 2010) |
I Am Kloot haben bisher eigentlich nur gute Alben
herausgebracht - und jetzt soll das neue laut Produktinfo nicht nur
das beste bisher sein (was fast jeder Künstler
von seinem neuen Album behauptet), sondern sogar ein Quantensprung?
Ein wenig zu marktschreierisch? Vielleicht. Zu den besten Arbeiten
der Band gehört es auf jeden Fall - und hat ausserdem sogar den
bisher besten Klang von allen Kloot-Platten, weilman sich mit Gus
Garvey und Craig Potter sogar zwei amtliche und angesafte
Produzenten leisten konnte, wobei ich deren bisherige Arbeiten nicht
kenne. Mein erster Eindruck von der Platte (jawohl:
ich halte das wunderschöne Klappcover der Vinylausgabe in Händen!)
ist auf jeden Fall sehr gut. Könnte sogar ein Kandidat für
meine Jahres-Top10 sein, denn ich höre sofort mehrere der allerbesten
Ohrwürmer heraus.(15.08.2010) |
| Menomena: "Mines" (City Slang/Barsuk, Juli 2010) |
Der Vorgänger "Friend
& Foe" war eine Zufallsentdeckung und eine angenehme
Überraschung. Bei "Mines" steigern sich die drei gleichberechtigten
Sänger, Songschreiber und Multiinstrumentalisten Brent Knopf
(hauptsächlich Gitarre & Keyboards), Danny Seim (hauptsächlich
Schlagzeug) und Justin Harris (hauptsächlich Bassgitarre
und Baritonsaxofon) nochmals und liefern etwas wirklich Großartiges
ab! Das ganze kommt als Vinyl-Doppelalbum mit insgsamt ca. 60 Minuten Laufzeit daher. Der dazugehörige MP3-Download scheint bei City Slang auch schon Standard zu sein. So muss das sein! (01.08.2010) |
| Kim Richey: "Wreck Your Wheels" (Lojinx, Juli 2010) |
Ich kenne kaum eine Sängerin/Songschreiberin, die man weitestgehend
unter die Kategorie "Country" einordnen kann, wo hohe musikalische
Qualität in einem solch krassen Missverhältnis zur Akzeptanz
bei Plattenfirmen und Massenpublikum steht. Vor einigen Jahren hatte
ich mich ja schon sehr über ihren Rauswurf beim angeblich so
coolen Label Lost Highway aufgeregt (nach ihrem - in meinen
Augen & Ohren - Meisterwerk und meinem Album des Jahres 2002 "Rise").
Dann erschien beim ebenfalls legendären Label Vanguard
das ebenfalls gelungene Album "Chinese
Boxes", immerhin mein drittliebstes Album von 2007. Ob Kim
jetzt bei Vanguard rausgeflogen oder selber gekündigt hat weiss
ich leider nicht. Und über das neue Label Loxinx kann ich auch
nichts berichten, aber über die neue CD, die - wenig überraschend
- wieder voll mit guten Songs und mit einer tollen Band eingespielt
ist.(01.08.2010) |
| Marc Cohn: "Listening Booth: 1970" (Sony/Sanguaro Road, Aug. 2010) |
Wie
langweilig - schon wieder eine Platte nur mit Coverversionen! Und
dann auch noch von Marc "Walking In Memphis" Cohn,
der zwar nie pfui aber auch nie wirklich hui
war. In der Ankündigung stand, dass es um seine Lieblingslieder
aus dem Jahre 1970 geht. Darunter ist zwar nichts wirklich Obskures
(oder soll man "Maybe I'm Amazed" von einem frühen
McCartneyAlbum "obskur" nennen?). Kaufanreiz war letztendlich
der "New Speedway Boogie" von den Grateful Dead (obwohl
mein "Dead-Enthusiasmus" im Moment aufgrund fehlendem Nachschubs
auch nur noch ganz sparsam vor sich hinköchelt. Mein erster Höreindruck: Marc Cohn singt toll und alle Lieder sind wunderbar interpretiert. Einen einzigen kleinen Abstrich möchte machen: bis auf das Schlagzeug und Blasinstrumente spielt Produzent John Leventhal fast alle Instrumente, die er zwar perfekt beherrscht, aber mit denen er auch eine gewisse klinisch saubere Langeweile verbreitet - zumindest ein klein wenig. Trotzdem eine schöne Platte. (27.08.2010) |
| Nils Koppruch:"Caruso" (Grand Hotel Van Cleef, Aug. 2010) |
Ob das jetzt noch Fink heisst oder
nicht: Nils Koppruch ist einer der wenigen deutschsprachigen
Sänger/Liedschreiber, von denen ich wirklich begeistert bin.
Könnte unter anderem daran liegen, dass Musik UND Text gelungen
sind. (15.09.2010) |
| Los Lobos: "Tin Can Trust" (Proper, Aug. 2010) |
Mit
den Wölfen aus East L.A. hatte ich mich lange nicht mehr beschäftigt.
Weil auf "Tin Can Trust" aber 1x die Grateful Dead
gecovert werden ("West L.A. fade Away" vom 87er Hitalbum
"In The Dark") und
Robert Hunter mit Cesar Rosas zusammen sogar einen neuen
Song geschrieben hat und Marc Cohn sich zeitgleich
ebenfalls am Dead'schen Liedgut versucht, habe ich das mal als "höheres
Zeichen" gesehen und beide CDs gekauft (Vinyl gab's nicht oder
war mir zu teuer!). "Tin Can Trust" ist ein schönes,
zeitloses Rockalbum, das mich zu der Frage bringt: Warum hab ich mich
in den letzten Jahren kaum mit dieser wirklich guten Band beschäftigt,
die ja auch immerhin schon im dritten Jahrzehnt ihrer Bandgeschichte
ist, ohne dabei altbacken zu werden?(27.08.2010) |
| Mark Olson: "Many Coloured Kite" (Rykodisc, Aug. 2010) |
|
"Many Colored Kites" ist wirklich
sehr schön geworden. Das ist nicht überraschend, denn
schlechte Platten kenne ich von Marl Olson eigentlich nicht.
Nur fällt mir im Moment leider nicht mehr Erbauliches zu dem
Themaein. Bitte abwarten & Tee trinken. Oder selber hören. "Many Colored Kites" ist sogar
richtig gut: Titel 2, "Morning Dove" mit der tollen Zeile
"My loved one walks on water".
Bei "No Time To Live Without Her" ist sogar Vashti
Bunyan zu hören. Nicht das sowas unbedingt sein muss, aber
es adelt doch die Platte ein wenig. "Scholastica" nervt,
aber der Rest ist sehr schön geraten. |
| Phil Selway: "Familial" (Bella Union, Aug. 2010) |
Wenn Trommler singen und komponieren
...(08.09.2010) |
| Black Mountain: "Wilderness Heart" (Jagjaguwar, Sept. 2010) |
Es wird im Opener zwar heftig bei Led Zeppelin abgekupfert
- aber das ist ja nicht das schlechteste Vorbild. Die Band aus Vancouver/Kanada
um den Sänger, Gitarristen und Songschreiber Stephen McBean
könnte man oberflächlich betrachtet dem Hardrock zuordnen
- aber dann würde es mir wohl kaum gefallen und ich würde
kein Wort über die Truppe verlieren. Durch hemmungslosen Einsatz
von historischen Tasteninstrumenten wie Moog, Mellotron und Orgel
und die Beteiligung einer Sängerin, die eher nach Folk oder Indierock
klingt, sowie gelegentliche Farbtupfer mit Akustikgitarren erinnert
mich das eher an eine rockigere Variante der Walkabouts
(die kamen ja auch aus dem Nordwesten von Nordamerika!), gekreuzt
mit Hawkwind und von mir aus auch Black
Sabbath, tief verwurzelt in den 70ern, ohne eine Spur nostalgischer
Behäbigkeit.Ausserdem: wie so oft (oder immer?) bei Jagjaguwar: das Vinyl kommt mit Downloadcode für die MP3s. (15.10.2010) |
| Lloyd Cole: "Broken Record" (Tapete, Sept. 2010) |
Mein zweitliebster Exilbrite in den USA mit einem seiner besten Alben
seit "Rattlesnake", das
ja schon verdammt lange zurückliegt!(15.09.2010) |
| Charles Lloyd Quartet: "Mirror" (ECM, Sept. 2010) |
|
Gestern wurde "Mirror" sogar in der NRZ vorgestellt
- wie neulich auch mein alter Held Richard
Thompson. Und auch in der NRZ wird der Vergleich zu John
Coltrane und "A Love
Supreme" gezogen. Besucht jemand bei der NRZ heimlich die
W4L-Seite oder haben wir beide einfach nur Recht? |
| Robert Plant: "Band Of Joy" (Decca/Es Paranza, Sept. 2010) |
Robert Plant und Buddy Miller spielen Richard Thompson
(das von mir fast vergessene "House Of Cards" vom tollen,
unterbewerteten Album "First
Light" von 1978), dazu was Obskures von Townes van Zandt,
was von Los Lobos und sogar zwei Lieder von den
Meistern der Langsamkeit, Low. Das
alles etwas krachiger als noch bei "Raising
Sand" und auch ohne die zauberhafte Alison Krauss
(dafür aber mit der ebenfalls wunderbaren Patty Griffin!).
Ein wirklich gelungenes Album. Keinen Deut schlechter als "Raising
Sand": also WIRKLICH GUT!(15.09.2010) |
| Caitlin Rose: "Own Side Now" (Names, Sept. 2010) |
Nach der sehr schönen 10 Zoll-EP "
Dead Flowers" hier das "eigentliche" Debütalbum
der jungen Sängerin aus Nashville, Tennessee. Weniger Honky
Tonk und mehr Pop, aber trotzdem schön!
Caitlin ist sicherlich eine der interessantesten neuen Sängerinnen
aus Nashville, die man weitestgehend unter "Country" einsortieren
könnte. (02.01.2011) |
| Neil Young: "Le Noise" (Reprise, Sept. 2010) |
Eigentlich
wollte ich mich nach mehreren schwachen und einem echt nervenden Album
("Fork In The Road") von
Good Old Neil fernhalten. Die Information, dass es sich
um reine Soloaufnahmen ausschließlich mit Gesang und verzerrter
E-Gitarre handeln soll, haben mich in meiner Verweigerungshaltung
sogar noch bestärkt. Eine erste recht positive Besprechung, in
der auch der Name von Produzent Daniel Lanois fiel, hat mich
dann aber zum Reinhören bewogen: meine Meining änderte sich,
denn die Songs schienen eigentlich ganz gut zu sein. Ausserdem brazte
die Gitarre doch nicht so furchtbar wie noch zuletzt noch bei der
Forke oder bei "Living
With War". Also habe ich in altem Reflex und mit guter Laune
doch bestellt und halte jetzt eine wunderschön aufgemachte CD
in Händen, deren Musik mir eigentlich ganz gut gefällt (vor
allem die beiden akustischen (!) Lieder), die dann aber nach dem zweiten/dritten
Hören doch nicht wirklich besser wird. Na ja - ein klarer Fortschritt
zur Forke ist das schon, somit auch
kein Fall für die Rubrik "Alte
Helden tun sich schwer" - aber eben auch nicht für die
Rubrik "die Besten von 2010".(03.10.2010) |
| Elfin Saddle: "Wurld" (Constellation, Okt. 2010) |
Eine ganz besondere Platte vom ganz besonderen Plattenlabel Constellation
aus Kanada - und eigentlich sind das auch eher ein Animationsfilm
und der Konzertmitschnitt von der Filmpremiere im Mai 2010 des Künstlerpaares
Emi Honda und Jordan McKenzie, in limitierter Sonderauflage
mit einer 30minütigen Zehn-Zoll-Vinylversion
der Filmusik. Nicht bilig das Ganze (über 20 Oiro), aber allemal
das Geld wert. Zumal ja auf der DVD zusätzlich alle Töne
der Platte als MP3s und als WAVs enthalten sind. Die Musik von Elfin Saddle? Obskurer Singer/Songwriter-Folk in Englisch und (vermutlich) Japanisch vom multiinstrumentalen kanadisch/japanischen Pärchen (Gesang, Gitarren, Trommeln, Ukulele, Banjo, Glockenspiel, Akkordeon, etc.) zusammen mit dem Kontrabassisten Nathan Gage und zwei ebenfalls multiinstrumentalen Gastmusikern. Irgendwie eine Kreuzung aus der Incredible String Band mit Danny Thompson (also Pentangle- ohne deren Gitarrenvirtuosität - in leichter Schräglage!) und den leider völlig unterschätzten Damon & Naomi. Es wird dauern, sich in diese wirklich originelle Musik einzufinden, aber es lohnt sich. Übrigenz ist auch der Animationsfilm spannend, genauso wie der Konzertmitschnitt in optischer, musikalischer und technischer Hinsicht aussergewöhnlich gelungen ist. Beeindruckend neben der Bild- und Tonqualität des Konzertfilms finde ich zum Beispiel wie Jordan McKenzie gleichzeitig mit der linken Hand das Akkordeon spielt und dazu mit der rechten Hand trommelt. Das hat was - ist auf jeden Fall sehr originell. (27.11.2010) |
| Bryan Ferry: "Olympia" (Virgin, Okt. 2010) |
Bitte
jetzt nicht wundern, warum hier der gute alte Herr Ferry von Roxy
Music auftaucht: ich hatte zwar noch nie wirklich was gegen ihn,
war aber auch kein Fan. Die frühen
Roxy Music finde ich sogar ziemlich gut, während das Spätwerk
und seine Soloalben weitesgehend an mir vorbeigegangen sind. Als ich
aber kürzlich las, das er eines meiner ALLERLIEBSTEN LIEDER,
und zwar Tim Buckleys "Song
To The Siren" aufgenommen hat, da war der Kauf der Platte quasi
ein MUSS. Gerade läuft der "Song To The Siren" in der "Hochglanzversion" von Bryan Ferry - und gefällt mir sogar ausgesprochen gut. Bombastisch? Ja, klar! Trotzdem schön? Aber sicher doch! Es sind mit Dave Gilmour, Phil Manzanera und Jonny Greenwood von Radiohead auch gleich drei Ausnahmegitarristen an der Nummer beteiligt, dazu Brian Eno mit seinem Synthesizer und Andy Mackay an der Oboe. (04.11.2010) |
| Kort: "Invariable Heartache" (City Slang, Okt. 2010) |
|
Ein Frage bleibt mir als altem und unverbesserlichen Platten-im-Regal-alphabetisch-Einsortierer:
unter K wie bei Kort oder unter W wie Wagner,
Kurt? Da haben es die stilvolleren Platten-im-Regal-nach-geschmacklichen-Kategorien-Einsortierer
wohl leichter: natürlich direkt zu den Lambchop-Platten |
| Pavlov's Dog: "Echo & Boo" (Rockville, Okt. 2010) |
Ein
neues Studioalbum meiner alten Helden? Das war dann doch sehr überraschend,
obwohl ich die wiedervereinigte Band im Sommer
2007 in der Bochumer Zeche bereits live sehen konnte. Damals hatte
ich mir "Dancing On The Edge Of A Teacup", das aktuelle
Soloalbum von Sänger David Surkamp gekauft, das mir vor
allem wegen der billigen Keyboardsounds (und schwachen Songs?) aber
nicht sonderlich gut gefallen hatte. "Echo & Boo" hat
(natürlich) nicht die Klasse von "Pampered
Menial" oder von "At
The Sound Of The Bell", ist aber für ein Comebackalbum
von "Rock-Rentnern" aus den 70ern doch ziemlich
gut geworden. Und solange David Surkamp so singt wie er singt ist
sowieso alles in Ordnung.(16.01.2011) |
| "7 Walkers" (Response, Nov. 2010) |
Viele Menschen trauern den Grateful Dead nach und trösten
sich mit anderen Jambands (die gelegentlich ziemlich interessant sind!)
oder einem weiteren Livemitschnitt der alten Helden (davon habe ich
nicht ganz so viele, auf jeden Fall nicht so viele wie der typische
Deadhead). Was mir aber vor allem fehlt, und das eigentlich schon
seit den 90ern, als Jerry noch unter den Lebenden und Auftretenden
weilte, waren neue Songs. Für deren Entstehung
nicht unwichtig war Jerrys Partner Robert Hunter - selber kein
begnadeter Sänger, aber ein meisterhafter Versschmied. Zwar gab
es in den letzten Jahren Kollaborationen von Hunter mit Jim
Lauderdale, David Nelson (New
Riders Of he Purple Sage) und sogar Bob
Dylan, aber es waren die beiden Trommler der Dead, die mit seiner
Hilfe besonders interessante Musik schufen: vor ein paar Jahren Mickey
Hart ("Mystery Box", 1996) und jetzt Bill Kreutzmann
mit seiner neuen Band 7 Walkers. Mit dabei federführend
als Sänger/Gitarrist ist Papa Mali aus New Orleans, mir
zuvor unbekannt, und George Porter Jr., der alte Bassist der
Meters. Das ergibt zwar keine typische Jambandmusik mit laaaangen
Improvisationen, aber New Orleans-Musik in bester Tradition von Dr.
John (und natürlich den Meters!). Sehr schön
und für mich als uninformierten "Vierteldeadhead" eine
echte Überraschung!P.S.: Vor ein paar Jahren hatte sich sogar Phil Lesh zu einem guten Studioalbum aufgerafft ("There And Back Again" von 2002, auch mit Hunter-Texten), aber warum kommt eigentlich Bob Weir nicht aus dem Quark? (09.01.2010) |
| Stereolab: "Not Music" (Duophonic UHF, Nov. 2010) |
Die Band habe ich eigentlich immer sehr gemocht, dann in den späten
90ern bzw. frühen 00er Jahren leider etwas aus den Augen und
Ohren verloren und vor ziemlich genau zwei Jahren mit dem 10-Zoll-Doppelalbum
"Fab Four Suture" wieder
neu für mich entdeckt. Die aktuelle Veröffentlichung von
"Not Music" hat mich sogar etwas überrascht, denn eigentlich
schien das 2008 erschienene Album "Chemical
Chords" ja das Ende der Band zu bedeuten. Tatsächlich
sind auch auf zwei der vier Seiten dieses Doppelalbums (jawohl: ich
hab mir das Vinyl gegönnt!) Remixe von Stücken des letzten
Albums zu hören, aber der Rest scheint neu zu sein, aufgenommen
von 2007 bis 2009, also nach der Veröffentlichung der chemischen
Akkorde. (15.12.2010) |
| Warpaint: "The Fool" (Rough Trade, Nov. 2010) |
Vier
Mädels aus L.A., die plötzlich total angesagt sind - weshalb
ich mich zuerst auch nicht dafür interessiert habe, denn angesagte
Bands und meine Lieblinxbands - das passt schon lange Zeit nicht mehr
zusammen. Jetzt habe ich nach einem Rolling Stone-Artikel aber doch
einmal reingehört - und bin ziemlich angetan: die jungen Damen,
Mitte bis Ende 20 würde ich mal schätzen, bearbeiten Gitarren,
Bass und Schlagzeug voller Begeisterung und mit viel Stilgefühl,
wenn auch nicht unbedingt virtuos im klassischen Sinne. Gesanglich
fühle ich mich ein wenig an die Bangles erinnert (wenn
auch weniger poppig), gitarristisch an die obskure englisch Band And
Also The Trees, was natürlich am intensiven Einsatz von Moll-Akkorden
und Gitarreneffektgeräten liegt. Auch bei AATT hatte mir
der Einsatz von Echogeräten schon immer gefallen, ganz entgegen
meiner sonstigen Abneigung von New-Wave-Stadionrockern wie etwa U2.
Warum weiß ich gar nicht so genau. Ansonsten empfehle ich Hören
und Gucken, denn die Mädelz sind natürlich
auch extrem apart ...(27.02.2011) |
| Paul Weller: "Wake Up The Nation" (Island, April 2010) |
|
Vielleicht bin ich etwas ungrecht gegenüber Paul Weller und
seinem neuem Album, aber ich bekomme da nach wie vor keinen Zugang
zu seinem Weckruf an die Nation. Also war die Alternative: weglassen
oder einsortieren in der Abteilung Enttäuschungen! |
| Portugal. The Man: "American Ghetto" (Defiance, Juni 2010) |
Nach dem wunderbaren Album "The
Satanic Satanist" von 2009 hatte ich mich total auf das neue
Album seit seiner Ankündigung im Frühjahr gefreut und mir
natürlich umgehend die Vinylausgabe bestellt. Im Prinzip ist
auch alles da: die Songs, die Melodien und die Stimme von Sänger/Songschreiber
John Baldwin Gourley, die Gitarren und die Tasteninstrumente.
Alles sofort als Portugal. The Man erkennbar. Leider
hat die Band keinen Schlagzeuger (mehr?) und alle Lieder kommen mit
einem üblen und einfallslos programmierten Drumcomputer daher.
Somit handelt es sich bei "American Ghetto" wohl eher um
die Demos zu einem neuen, nicht existenten Album, das vielleicht sogar
ein gutes im Stil der letzten Werke hätte werden können.
So aber nervt es mich und ist wegen der langweiligen und uninspirierten
Maschinentrommelei fast unhörbar. Schade drum.P.S.: auch das Cover ist nicht mehr so extravagant gestaltet wie beim letzten mal ... (07.03.2011) |
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| Erstellt: 01.01.2010 | Letzte Aktualisierung: 28.01.2012 21:32 | 3231 Besucher seit dem 01.01.2010 |
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